Gesundheitsthemen auf Türkisch

Kontaktstelle für Selbsthilfe in Pinneberg und Kulturverein organisieren Fachvortrag – Vielen Migranten fehlt Zugang zu verständlichen Informationen

Es gibt Migranten, die den Weg zum Arzt scheuen, wenn sie krank sind – weil sie die Sprache nicht verstehen. Mit einem vom Land Schleswig-Holstein geförderten Projekt versuchen Sozialverbände nun, Migranten für die Selbsthilfe zu gewinnen. Die erste Veranstaltung ist ein Gesundheitsvortrag auf Türkisch.

Kerstin Kreuzhage (links) und Katinka Gabriel wollen  mit Baris Karabacak Gesundheitsthemen für Migranten verständlich machen. Foto: Thieme

Kerstin Kreuzhage (links) und Katinka Gabriel wollen mit Baris Karabacak Gesundheitsthemen für Migranten verständlich machen. Foto: Thieme

Pinneberg. Zu vielen Gesundheitsthemen gibt es Informationen satt. Ärzte beraten, Medien berichten und Firmen werben. Doch es gibt eine Gruppe von Menschen, die nur schlecht versteht, was gesagt und geschrieben wird. Besonders betroffen sind ältere Migranten, die bis heute Probleme mit dem Deutschen haben.

Ende Juli hatte die Zentrale Kontaktstelle für Selbsthilfe des Roten Kreuzes im Kreis Pinneberg mit einem neuen Projekt begonnen. Ziel Ende ist, Migranten für Selbsthilfegruppen zu gewinnen. Nun steht der Termin für die erste Veranstaltung. Am Sonntag, 15. September, spricht der türkische Arzt Fatih Yildiran aus Hannover über Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Das tut er auf Türkisch.

„Mein Vater hat mich als achtjährigen Jungen als Dolmetscher mit zum Arzt genommen“, erinnert sich Baris Karabacak vom Verein Brücken der Kulturen. Gemeinsam mit dem Roten Kreuz organisiert der Verein die Veranstaltung. „Die Türken bilden die größte Gruppe unter den Migranten. Deswegen beginnen wir jetzt erst mal mit einem Vortrag auf Türkisch“, sagt Kerstin Kreuzhage vom Roten Kreuz.
Rotes Kreuz und Kulturverein wollen aber nicht nur über Gesundheitsthemen aufklären. Sie wollen auch das System der Selbsthilfe bekannter machen. Damit sind viele Migranten laut Kreuzhage nicht vertraut.

„In der Türkei gibt es oft Nachbarschaftshilfe. Extrem formuliert: Wenn jemand seinem Nachbarn von Beschwerden berichtet, empfiehlt der Nachbar gleich ’was Gutes’ aus dem eigenen Tablettenschrank“, sagt Karabacak. In Selbsthilfegruppen würde fachlich fundiert nach Lösungen gesucht und notfalls ein Arztbesuch empfohlen. „Mit den Selbsthilfegruppen wollen wir die Menschen zu Experten für ihre eigenen Krankheiten machen“, sagt Kreuzhage.

Karabacak hofft auf große Resonanz: „50 Leute kommen bestimmt. Vielleicht werden es mehr.“ Einladungen seien in der Moschee, in Cafés, auf Hochzeiten sowie in der türkischen Gemeinde verteilt worden und an türkischsprachige Medien gegangen. Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, 15. September, um 14 Uhr im Pinneberger Rathaus in der Bismarckstraße 8. Auf dem Programm stehen außerdem eine Fragerunde mit dem Arzt Fatih Yildiran, die Analyse von Blutzucker- und Blutdruckwerten sowie eine Verlosung.

Extra Brücken der Kulturen
Den Verein Brücken der Kulturen gibt es seit Oktober 2012. Sieben Pinneberger hatten ihn gegründet. Heute hat er 47 Mitglieder, wie der Vorsitzende Baris Karabacak sagt. Hauptziel sei die Förderung der Integration von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dafür organisiert er etwa Sprachkurse oder Tanzworkshops. Der Verein hilft auch bei der Suche nach Ausbildungsplätzen.

Im Netz
www.brueckenderkulturen.de

Tobias Thieme, Pinneberger Tageblatt vom 9. August 2013

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